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    Teppichgarne aus Leuna international erfolgreich

    mitteldeutsche wirtschaft 3/2017

    27.03.2017

    Aquafil ist seit 50 Jahren Marktführer bei der Herstellung von Kunstfasern. Am Chemiestandort in Leuna, wo ansonsten vor allem Erdöl verarbeitet sowie Folien, Schmierstoffe und Düngemittel hergestellt werden, produziert das Tochterunternehmen Aqualeuna seit 2013 synthetische Garne. Diese kommen weltweit in textilen Bodenbelägen für gewerbliche Objekte, die Automobilindustrie und Wohngebäuden sowie in der Bekleidungsindustrie zum Einsatz.

    Rund 9.500 Tonnen an Garnen von grob bis fein, matt oder glänzend, verlassen im Jahr die Leunaer Spinnerei. Daraus lassen sich rund zwölf Millionen Quadratmeter Teppichboden herstellen. Die größte Menge davon geht in den Export. Daraus entstehen in den USA Schlingenteppiche, wertvolle Orientteppiche im arabischen Raum und Kostbarkeiten in Indien. In Deutschland sind Teppiche aus der Aquafilgruppe und Leunaer Garne unter anderem im Bundestag und auf Flughäfen, in Banken, Hotels, Büros, in der Autoindustrie, aber auch in privaten Haushalten zu finden.

    Wenn Andreas Otto, Bereichsleiter der Aqualeuna GmbH, durch die Produktionshallen läuft, hat er über 10.000 Spulen im Blick. Ununterbrochen surren die weißen Fäden, auf einigen Maschinen werden graphitgraue Garne gewickelt. Eine Spule wiegt mehr als vier Kilo. Würde man alle Garne aneinanderknüpfen, ergäbe dies eine Strecke von 460.000 Kilometern. Das wäre 23 Mal die Strecke vom Nord- zum Südpol.

    Aquafil-Geschäftsführer Pietro Arduini ist stolz auf den Leunaer Standort. "Es ist für uns der einzige in Deutschland." Mehr als zehn Millionen Euro seien in den vergangenen vier Jahren unter anderem in neue Technik und Nebenanlagen investiert worden. Auch eine Erweiterung der Produktion sei auf dem Schirm, versichert der Geschäftsführer: "Platz ist noch da. Wir könnten die Kapazität leicht erweitern, wenn sich die Marktbedingungen ergeben sollten." In Leuna sei ein effizientes Arbeiten möglich, die allgemeinen Bedingungen seien gut. Der Rohstoff ist durch die Vernetzung verschiedener Anlagen sofort verfügbar, das Polyamidgranulat wird am Standort erzeugt und über Rohrleitungen direkt zur Spinnerei in die beiden 100-Tonnen-Silos gefördert. Vom Granulat bis zum Faden vergehen etwa 15 Minuten, schildert Otto.

    Da werde bei 265 Grad das Granulat geschmolzen, dann gestreckt, abgekühlt, gekräuselt, gezwirnt. Ein ausgesprochen energieintensiver Prozess, meint der 48-Jährige, der im Unternehmen auch als Energiebeauftragter fungiert. 25 Gigawatt Strom und 15 Gigawatt Dampf würden pro Jahr im Produktionsprozess benötigt. "Da sind wir dran", versichert Otto. Er analysiert, wo Einsparpotenziale liegen, etwa bei der Effizienz der Produktionsanlagen und der internen Drucklufterzeugung, aber auch der Hallenbeleuchtung, die im rollenden Schichtsystem rund um die Uhr im Betrieb sind. Im Konzern selbst setze das Team darauf, die Produktion durch Innovationen zu erneuern. So hat das Unternehmen beispielsweise das ECONYL® Regenerationssystem entwickelt, wofür Aquafil im Jahr 2014 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhielt.