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    News Detail

    Turbulente Geschichte

    MZ 18.02.2017

    20.02.2017

    Das Herzstück der Firma Innospec Leuna ist einzigartig und das letzte seiner Art. 50 Jahre hat der Kompressor auf dem Buckel und ist damit älter als die Firma selbst, die nun 20 Jahre Privatisierung feiert. Das bei der Firma Innospec im Chemiepark Leuna immer alles rund lief, kann man freilich nicht behaupten. 2003 sah es noch danach aus, als ob das Unternehmen in die Pleite gehen würde. Heute, 14 Jahre später, ist die Firma mit ihren 108 Mitarbeitern breit aufgestellt und behauptet sich auf dem internationalen Markt.

    Innospec produziert vor allem Wachse und Dieseladditive sowie Kunststoffgranulat. "Wir exportieren etwa 70 Prozent in das Ausland", sagt Dietrich von der Wense, Geschäftsführer von Innospec. Anwendung finden die Additive im Diesel, damit er nicht einfriert. Das Wachs wird unter anderem bei Geldscheinen genutzt. "Die kann man heute 50 mal öfter waschen als früher", sagt von der Wense beim Gang durch die Anlage. Stolz zeigt er das gut überwachte Herzstück. Der alte Kompressor, der Gas auf bis zu 2.500 bar verdichtet, läuft auf Hochtouren. Natürlich besteht er nicht mehr komplett aus den originalen Teilen, aber ein Großteil stammt noch von vor 50 Jahren. Nur elf dieser Maschinen eines Schweizer Fabrikates wurden überhaupt hergestellt. "Es gibt kaum noch Ersatzteile dafür", so von der Wense. Aber bei kritischen Teilen habe man vorgesorgt. Darüber hinaus werde die Maschine rund um die Uhr von modernen Sensoren überwacht, die jede Veränderung aufzeichnen. Wichtiger ist aber die Pflege, noch bevor etwas kaputt geht.

    Neben dem Herzstück hat sich das Unternehmen auch stark modernisiert und in neue Anlagen investiert. Mit 25.000 Tonnen an Produktionsvolumen jährlich sei Innospec aber ausgelastet. Darüber hinaus habe sich im Unternehmen ein Generationswechsel vollzogen. "Nachwuchsprobleme haben wir nicht." Frühzeitig bemühe man sich darum, junge Menschen für das Unternehmen zu gewinnen, sei es mit Schülerpraktika oder später während des Studiums. "Wir haben auch schon die nächsten Ausbildungsverträge fertig." Besonders stolz ist von der Wense über die geringe Fluktuation beim Personal.

    Noch Ende 2002 musste damals das Chemieunternehmen Leuna Polymer GmbH Insolvenz anmelden, weil ihr die Insolvenz eines Großkunden zum Verhängnis geworden war. Seit 1997 gehörte Leuna Polymer zum Berliner Unternehmen Fischer + Limberger. "Wir waren die Letzten, die am Standort privatisiert wurden", so von der Wense. Erstaunlich war, dass Leuna Polymer aus der Insolvenz heraus den Sprung wieder in die Gewinnzone schaffte, als 2004 mit Octel Corp. ein englischer Investor einstieg, der heute Innospec heißt.